Berufliche Orientierung

Warum es so wichtig ist, seine eigene Berufung zu finden

1. Januar 2021
Titelbild Artikel Warum es wichtig ist seine Berufung zu finden

Die Antwort auf die Frage, warum es wichtig ist seine eigene Berufung zu finden, ist sehr einfach: weil wir eigentlich gar nicht anders können. Die Betonung liegt hier aber auf eigentlich. Denn was wir sehr gut können ist immer wieder Gründe dafür zu finden, genau dort zu bleiben wo wir gerade sind und uns immer wieder selbst zu besänftigen – entweder mit dem finanziellem Ausgleich oder auch mit vermeintlichen Erfolgsmomenten und natürlich mit der „Stimme der Vernunft“, die immer wieder sagt, dass man doch eigentlich glücklich sein sollte mit dem, was man hat.

Doch in ruhigen oder auch besonders frustrierenden Momenten, meldet sich immer mal wieder dieses Gegenstimmchen im Inneren zu Wort. Zunächst ganz leise, aber sie wird auch gerne mal wirklich laut. Die Stimme, die einem immer wieder sagt: „Das ist nicht der richtige Job für dich!“ „Das entspricht dir nicht.“ Und schon ist die innere Konversation im vollen Gange. Ich habe dann gerne Argumente wie „Die Arbeit ist ja nur ein kleiner Teil meines Lebens.“ dagegen geschossen. Aber ist sie das?

There is always one true inner voice. Trust it.

Gloria Steinem

Wenn wir Vollzeit arbeiten, dann sind das 35-40 Stunden jede Woche, ca. 8 Stunden am Tag, jeden (Wochen-) Tag, die wir auf / mit der Arbeit verbringen! Das ist bei vielen die Hälfte der Zeit, in der sie wach sind. Die andere Hälfte verbringen wir dann zusätzlich mit Hausarbeit, unliebsamen Themen wie Steuern, Rechnungen bezahlen etc. und dann einen Teil natürlich auch mit unseren Freunden und der Familie.

Die Arbeit ist also gar nicht so ein kleiner Teil des Lebens und das spüren wir auch immer wieder, wenn wir nicht das tun, was uns entspricht. Stresssymptome, niedrige Energielevel bis hin zu kleinen und großen Krankheiten sind die Äußerungen unseres Körpers. Unausgeglichenheit, Unzufriedenheit, ständig das Gefühl haben auf der Suche zu sein – so äußert es sich in unserem Innern. Man kann es drehen und wenden und sich auch immer mal wieder schön reden, aber im Grunde bleibt diese kleine Stimme bis an unser Lebensende bestehen, wenn wir nichts ändern. Wenn wir gegen unsere Berufung arbeiten, werden wir immer ein gewisses Gefühl der Leere in uns tragen, wenn es um den Beruf geht. Wir werden immer Montage verschmähen, Urlaube und Wochenenden herbeisehnen und eigentlich immer in Warteposition verharren. Das lässt sich mit den anderen Lebensbereichen kaum ausgleichen.

Das Schöne ist aber, unsere Berufung wird sich immer wieder auf die ein oder andere Weise zeigen. Sie steckt ja in uns drin. Sie zeigt sich jeden Tag in irgendeiner Art und Weise – wir müssen nur lernen auf uns selbst zu hören. Ich höre sehr oft am Anfang meiner Coachings folgende Aussage: „Ich habe keine Ahnung, was ich machen will. Ich werde ein sehr schwieriger Fall sein.“ In all diesen Fällen, hat sich ganz schnell heraus gestellt, dass auch bei ihnen eigentlich ziemlich klar ist, was sie machen möchten. Die Argumente dagegen waren nur so laut, dass sie es nicht gehört haben.

Mich persönlich begleitet das Thema nun auch schon sehr lange und auch ich wusste es schon die ganze Zeit. Ich habe immer auf den großen Knall gewartet, quasi das Kaninchen, das aus dem Hut springt und ruft: das ist deine Berufung! Der Knall und das Kaninchen kamen nie, aber nach langer Suche kam die Erkenntnis, dass meine Berufung schon immer in mir steckte, dass ich schon immer wusste, dass sich bei Menschen etwas ändert, wenn wir ins Gespräch gehen, dass Menschen meinen Rat suchen und dass ich diesen gerne gebe. Dass ich es liebe zu sehen, wie sich andere Menschen entwickeln und Erfolge feiern in einer Tätigkeit, die ihnen entspricht. Ich inspiriere Menschen gerne, das Beste aus sich selbst heraus zu holen – und das schon immer.

Ich kenne wenige Menschen, die ihre Berufung gefunden haben, aber die die es haben, sagen eigentlich alle das Gleiche: es fällt ihnen nicht schwer morgens früh aufzustehen, sie befinden sich in Teilen ihrer Tätigkeit in einer Art Flow-Zustand und sie strahlen, wenn sie über ihre Arbeit sprechen. Das heißt nicht, dass sie auch mal Urlaub wollen/brauchen oder am Wochenende einfach mal ausspannen möchten. Man braucht natürlich auch einen Gegenpol zum Erschaffen/Kreieren, aber insgesamt lieben sie was sie tun und brauchen weniger Pausen und fallen weniger aus durch Krankheit als andere Menschen. In meinen Augen ist das auch das Ziel. Deine Berufung sollte ein Teil von dir sein und nicht abseits mit einer dicken Trennungslinie zum Rest deines schönen Lebens (auch gerne Privatleben genannt) abgestellt und Montag morgen dann rausgeholt werden. Kein Wunder, dass Montage unbeliebt sind!

Die Antwort auf die Frage, warum es wichtig ist seine eigene Berufung zu finden, ist also wirklich einfach: weil wir gar nicht anders können.

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